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Die von mir in den frühen 1980ern entwickelten Universalpatronen 8,5x63 und 8,5x63 R sind als Werkspatronen zu haben und bei ballistisch interessierten Praktikern inzwischen gut beleumundet. Auch meine, überwiegend für Einsteckläufe gedachten kleinen, teils sogar hochwildtauglichen Randpatronen 6,5x50 R und 7x50 R werden auf diesen Seiten vorgestellt.

Was aber selbst viele meiner guten Bekannten, Seminaristen und  Patronenspezialisten nicht wissen ist, dass ich auch eine interessante "ganz private" 6,5-Patrone entwickelt und die CIP Listen gebracht habe:

Patronen im altbewährte Kaliber 6,5 mm (Feld-/Zug-Durchmesser laut Maßtafel 6,45/6,70 mm, Geschossdurchmesser 6,71 mm/.264“ ) sind in Deutschland für den Schuss auf Hochwild zugelassen. Überwiegend werden sie allerdings auf Rehwild, Gams sowie schwaches Hochwild geführt und sind mit leichten Geschossen auf Fuchs beliebt, dann auch auf weite Distanz.

Gängige 6,5 mm Patronen mit Hülsenlängen von 54-57 mm sind durch ihr relativ geringes Hülsenvolumen weniger leistungsstark, auch wegen der, von der CIP verordneten Gasdruckbeschränkung. Diese ist jedoch völlig berechtigt weil sich die schwachen Verschlusskonstruktionen oder der mäßige Zustand älterer, teils über Hundert Jahre alter Waffen doch als Sicherheitsrisiko für den Schützen und Umstehende erweisen kann. Beispiele sind die kaum mehr in Neuwaffen eingebauten 6,5x54 M.Sch. (Mannlicher Schönauer) mit nur 3650 bar sowie die auch bei uns in Mitteleuropa beliebte, präzise 6,5x55 S.E. von 1893. Die als norwegisch/schwedische Ordonnanzpatrone für schwere 10 g Geschosse konzipierte, oft auch „Schwedenmauser“ genannte 6,5x55 könnte vom Hülsenvolumen mehr leisten, muss sich aber mit 3800 bar zufrieden geben. Ähnlich konservativ im Druck begrenzt, nämlich auf 3900 bar (ihre Randschwester 6,5x57 R sogar auf nur 3300 bar) ist die 6,5x57, welche nie als Militärpatrone, sondern immer als Jagdmunition verwendet wurde.
Da alle genannten Patronen mit schweren Geschossen von 10 g verladen werden können (zu deren Stabilisierung der kurze Drall beiträgt), lassen sich die gasdruckbedingten zielballistische Nachteile ziemlich kompensieren. Bei 6,5x57 und 6,5x57 R gibt es zusätzlich eine negative konstruktive Besonderheit des Patronenlagers, nämlich den langen, da auf die schwersten das heisst längsten Geschosse dieses Kalibers abgestellten Geschossübergang. Das muss zwar nicht, kann aber zur Folge haben, dass die logischerweise für Rehwild und Fuchs gedachten leichten Geschosse nicht mehr so präzise fliegen wie die innenballistisch besser angepassten schweren, was den Nutzen der 6,5x57/R auf kleineres Wild und größere Distanzen konterkarieren könnte.

Hülsengrößere das heisst volumengrößere 6,5 mm Patronen wie 6,5x68 und 6,5x68 R RWS oder die bei uns wenig bekannten 6,5 mm Rem.Mag. und .264 Win.Mag. sind zwar für Gasdrücke von 4300-4400 bar ausgestattet (6,5x68 R 3900 bar), haben aber oft einen längeren Drall. Der befähigt die Patronen zwar zu hohen Geschwindigkeiten mit leichten Geschossen, wird aber in den meisten Fällen schwere, ja oft bereits mittelschwere Geschosse nicht oder nicht so gut stabilisieren.

Ich wollte also einen "Goldener Mittelweg" zwischen hülsenkleinen und hülsengroßen 6,5 mm Patronen finden, um deren jeweilige Vorteile zusammenfassen zu können.

Bereits vor und verstärkt nach dem II. Weltkrieg tummelten sich etliche Konstrukteure in besagtem 6,5 mm Mittelfeld. Eine der ersten dieser Patronen war die in den USA "poor man's Magnum" („armer Leute Magnum“) genannte 6,5/06, eine ohne weitere Änderungen auf 6,5 mm (eigentlich 6,7 mm/.264") eingewürgte .30-06. Bei uns versuchte sich Heinrich Weidinger in den 1970ern mit der 6,7x64, einer auf 6,5 mm (6,7 mm) eingezogenen 7x64 Brenneke. Neben einigen anderen, aber ebenfalls nicht standardisierten 6,5 mm Wildcats schafften letztlich nur wenige Patronen in mittelvolumigen Standardhülsen den Sprung in die CIP Listen:

Erstens die von Ing. Hannes Kepplinger Kufstein „hoffähig“ gemachte, zwecks besserer Vermarktungschancen jedoch der Fa. Brenneke, Langenhagen angebotene und so 6,5x64 „Brenneke“ genannte Quasi-6,5/06 mit 4300 bar, sowie zweitens die bei Dynamit Nobel vom Team um Ing. Jürgen Knappworst entwickelte 6,5x65 bzw. 6,5x65 R RWS mit 4150 bar bzw. 3800 bar. Viel später erschien die 6,5x63 Messner des Franzosen Joseph Messner die aber, da von der Hülse der 9,3x64 Brenneke deriviert, keine Mittelpatrone mehr, sondern eine, das Volumen der großen 6,5x68 RWS fast erreichende "Magnum" ist und deshalb aus dem Raster der hier gegenständlichen Standard-6,5-Patronen fällt.


links die 6,7x64 von Heinrich Weidinger, daneben die 6,5x65 RWS, dann zwei 6,5x64 mit leichter (Fuchs-/Rehwild) und schwerer (Hochwild)-Ladung. Man beachte den vorbildlich langen Hülsenhals der 6,5x64 und ihre vorteilhaft steile Schulter.

Während sich die Kepplinger Patrone 6,5x64 Brenneke eine kleine aber loyale und zufriedene Gefolgschaft meist im Alpenraum schaffen konnte, machte RWS/Dynamit Nobel die 6,5x65/R innerhalb des RUAG-Sortiments immerhin zur Standardpatrone. Sie ist heute allerdings nur leidlich, das heisst nur mit wenigen Ladungen am Munitionsmarkt vertreten. Ihr Vorteil der gewollten „Übergröße“ bei den wesentlichen Hülsenmaßen hat zur Folge, dass beim Aufreiben von Waffen in den Kalibern 6,5x57/6,5x57 R kleine Rauheiten oder Rostnarben im Lager weggenommen werden. Ausnahmlich die Zeit gleich nach der Einführung im Jahre 1990 wurden aber nicht viele 6,5x57 und 6,5x57 R Waffen in 6,5x65 und 6,5x65 R umgearbeitet - womit ein wichtiges Konstruktionsziel nicht voll erfüllt werden konnte. Weiteres Konstruktionsziel war, durch übertrieben konische Hülsenverlaufsform eine bessere Ausziehfähigkeit aus alten, rauen Lagern sicherzustellen, doch entstand aus dem theoretischen Vorteil der erleichterten Ausziehsicherheit der handfeste Nachteil einer höheren Verschlussbelastung. Dem Nachteil geschuldet ist der niedrig angesetzte Gasdruck und die (volumenbezogen) vergleichsweise niedrige Leistung der 6,5x65 R, sowie der von Wiederladern ungeliebte, weil lästige und Mehrarbeit verursachende Hülsenhalswulst - eine Verformung die bei besser konstruierten Hülsen nicht auftritt. Und es soll niemand sagen, dies wäre nicht bekannt gewesen. Nicht nur ich hatte damals gewarnt und einen praktischeren, steileren Hülsenverlauf vorgeschlagen. 
Dies als Einführung in den groben zeitlichen Ablauf der Vorstellung von 6,5 mm Patronen.

Jetzt zu „meiner (noch) ganz privaten“ 6,5 mm Patrone:        

Seit 1984 hatte ich an meiner 6,5x64 mit der unüblichen Hülsenkonfiguration gearbeitet und sie 1987 in die CIP eintragen lassen. Erste Serienwaffe dafür war eine Blaser Repetierbüchse SR 850 mit Zeiss C-Diavari 3-9x36, welche immer noch sauber schießt und den Urtyp der leichten und schlanken, führigen 6,5-Büchse darstellt.






Meine Patrone 6,5x64 basiert auf der 64,52 mm langen Standardhülse .270 Win. Ein Konstruktionsmerkmal ist der steile Hülsenverlauf und die 40° Schulter, wie ich sie auch der 8,5x63/R verpasste. Deren Vorteil bei gesicherter Ausziehfähigkeit liegt auch in geringerer Verschlussbelastung. Wiederlader schätzen, dass sich die Hülse im Schuss praktisch nicht längt, was im Gegensatz zur stark konischen 6,5x65 und 6,5x65 R wenig Arbeit bei gleichzeitig langer Lebensdauer der Hülse und damit Einsparung von Arbeitszeit und Finanzen bedeutet. Nach Messungen kam ich zu dem wichtigen Schluss, den durch die steile Verlaufsform nochmals vergrößerten Pulverraum gar nicht nützen zu müssen. Eine lediglich auf 6,7 mm eingezogene Hülse .270 Winchester mit weit vorverlegter Schulter bei nur Ein-Kaliber-langem Hals und zudem steilem Hülsenverlauf hätte ein, der 6,5x68 nahezu entsprechendes Volumen. Ich aber wollte keine präsente „Magnum“ kopieren, sondern geradezu das Gegenteil konstruieren, nämlich eine akkurat schießende Mittelpatrone für sämtliche 6.7 mm/.264“ Geschosse. Dem kam der Umstand zugute, dass aus dem letztlich zur Verkleinerung des Verbrennungsvolumens erfolgten, relativ weiten Zurücksetzen der Schulter meiner 6,5x64 ein großes „L3 minus L2“ Maß, also ein langer Geschossraum („Hülsenhals“) von ca. 10 mm resultiert. Dieser erlaubt das Setzen kurzer und aller langen Geschosse, ohne dass selbst längste Projektile zu weit in den Pulverraum ragen und das Energiepotenzial schmälern. Vorgesehen sind 228 mm Dralllänge bei 4 Zügen mit 3,6 mm Breite. Der Übergang ist absichtlich universell mit acht mm Länge auf ein je nach Material (konventionell Bleikern/Mantel oder monolithisch) 7,5-9,5 g schweres Geschoss von Sekantenform (ähnlich KS oder Hornady Spire Point oder Reichenberg HDB) abgestellt und ist zudem so lang, dass auch mit den längsten Geschossen die Normpatronenlänge von 84 mm nicht überschritten wird. Die 6,5x64 passt also in alle Standardsysteme. Schon damals hatte ich bei der Konstruktion des Übergangs die bei gleicher Masse wegen geringerer Dichte längeren monolithischen Vollgeschosse aus Kupfer beziehungsweise Messing berücksichtigt. Auch das ist ein Vorteil gegenüber der 6,5x65 RWS mit ihrem kürzeren S Maß. Die spezielle Form des Übergangs ermöglicht kaliberbezogen schwerste, hochwildtaugliche und gleichzeitig die Verwendung leichter, kurzer Projektile, auch für reduzierte, daher wildbretschonende Rehwildladungen mit konventionellen Bleikern/Mantel Geschossen. Der bemessen lange Geschossraum und die darauf abgestellte, universelle Übergangsform bieten den hoch willkommenen Spielraum für mittelschwere und vor allem monolithische Geschosse sowie gleichzeitig für lange Scheibenprojektile.    

Bei festgelegten 4300 bar ist die 6,5x64 für moderne, feste Waffen gedacht Auch der leistungssteigernde Umbau von 6,5x57 auf 6,5x64 ist möglich, jedoch sollte nicht mit aller Gewalt versucht werden, jeden alten Püster modernisieren zu wollen.


links RCBS Matrizensatz 6,5x64. Er ist "per cases" d.h. anhand der Dimensionen einiger eingesandter Hülsen und Patronen "maßgescheidert. Zweite Matrize von rechts RCBS Kalibriermatrize "6,5x270 WIN"; ganz rechts früheTriebel-Kalibriermatrize "6,5x64, 40°"   

Der Leistungsbereich meiner 6,5x64 ist breit angelegt und liegt je nach Ladung und Fähigkeiten des Wiederladers zwischen der gasdruckschwachen Kopie der 5,6x57 RWS oder .243 Win. mit 5-5,5 g  Geschossen einerseits sowie, wer eine Weitdistanz- "Volldampfladung" für Fuchs oder Reh braucht, bei möglichen 1100 m/s mit 6 g Geschossen. Andererseits können ca. 10 g schwere Projektile bis auf ca. 860 Metersekunden gebracht werden, was die Leistung der .270 Win. übersteigt und der V0 der 7x64 mit ähnlich schweren Geschossen in etwa entspricht, jedoch bei beachtlicher Mehrleistung wegen der, durch die höhere QB gesteigerten Wirkung in die Tiefe des Schusskanals. 1000 m/s sind möglich mit den von der Masse für das Kaliber nahezu universellen 7,8 g  Geschossen. Kopien der 6,5x65 RWS mit deren 8,2 g KS gelingen wegen des ca. 0,2 cm2 größeren Volumens meiner 6,5x64 mit sogar weniger Druck. Selbst unter Verwendung drucktechnisch „gezähmter“ Ladungen hat man mit meiner 6,5x64 also eine universelle und rasante, für Feldflurfüchse bis zum Bergwild und leichtem Hochwild taugliche Mittelpatrone. Wegen der Verbreitung der RWS Patrone 6,5x65 (die, als ich meine 6,5x64  ausdachte, noch gar nicht spruchreif war) wird die 6,5x64 trotz ihrer Vorteile wohl nicht mehr zur Werkspatrone avancieren, aber das ist auch nicht wichtig.

Neben der Anschaffung neuer Waffen oder (Wechsel) Läufe kommt einfach zur 6,5x64, wer eine 6,5x57 aufreiben lässt (gebrauchte Büchsen und Wechselläufe 6,5x57 sind leicht zu finden) selbst wenn der Übergang dann etwas lang gerät. 


Ausgangshülse der 6,5x64 ist die .270 Winchester: Diese auf 6,5x64 kalibrieren und Geschoß setzen, so daß sich die Waffe "gerade noch" schließen lässt. Feuerformen am Schießstand und fertig ist die sauber "ausgeblasene" Hülse 6,5x64, unten. Die Fertigung fabrikneuer Hülsen wird in naher Zukunft in Auftrag gegeben.


6,5x64 Ballistische Tabellen.doc

Obacht: Heym legt im April 2013 eine Serie gediegener Büchsen "SR30 Premium" auch im Kaliber 6,5x64 auf und Sax fertigt 6,5x64 Werkspatronen mit dem KJG.

Wer sich also die breitbrüstig-langhalsige 6,5x64, „die nicht jeder hat“, antun möchte, der kann sie gerne laden (Matrizen gibt es im Handel, z.B. von www.triebel-guntools.de, der auch Lagerwerkzeug bereit hält) oder sie sich von einem guten Gewerblichen Wiederlader machen lassen.

Wer aber meint, dass alle neuen Patronen im allgemeinen und die 6,5x64 im besonderen „grober Unsinn“ seien, weil diese und jene bereits vorhandenen Patronen, vor allem aber „seine“ eigene Munition bereits alles können, der soll diese "Erkenntnis" einfach für sich behalten. Niemand zwingt ihn ja, eine neue Patrone zu kaufen.

Ich denke hinsichtlich neuer Patronen völlig anders und viele Jäger sind da mit mir:

Wir freuen uns über alle sinnvolle Neuerungen auf dem Munitionssektor, vor allem, wenn und weil auch andere ihren großen Spaß daran haben können... 


6,5x64 mit verschiedenen Geschossen