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8,5x63 mit 11,8 g Jaguar Cu-Teilzerlegergeschoß, 8,5x63 R mit Barnes 10,4 g TTSX Cu-Verformungsgeschoß. Cu-Geschosse sind in 8,5-Patronen "ganz unideologisch" verladen weil sie bei praktisch ähnlicher Wundwirkung und Fluchtstrecke wildbretschonender sind als die meisten konventionellen Bleikern-/Mantelgeschosse.


„...seit der 7x65 R von 1920 die bedeutendste Entwicklung der Universalpatronen"  (DWJ 9/1989) titelten damals die Fachzeitschriften, was mich ("ein bißchen") verlegen machte. Freilich trifft das alte Sprichwort „Gut Ding will Weile haben!“ selbst auf 8,5x63 und 8,5x63 R zu: Immerhin habe ich die vielseitigen, leistungsfähigen und präzisen Patronen bereits in den Jahren 1982-84 konzipiert und in ersten Waffen vorgestellt.

Inzwischen von vielen Wiederladern geführt, steigen 8,5x63 und 8,5x63 R um so mehr in der Gunst des Verbrauchers, als gute Waffen dafür gebaut werden, so von Blaser, Heym, Krieghoff und Mauser, aber auch weil leistungsfähige gewerbliche Wiederlader Gebrauchs- und Beschussmunition anbieten und inzwischen auch werksgefertigte Patronen z.B. von LFB (in gleich vier Ladungen) zu haben sind.

  


Hochwertige, mit Spitzenoptik ausgestattete Jagdwaffen renommierter Hersteller in 8,5x63 (hier Blaser R93 Success mit Daumenlochschaft, Zeiss Diarange 3-12x56 mit integriertem Laser-Entfernungsmesser) helfen sehr bei der Verbreitung der universellen Patrone. 


Hintergrund

Zuerst in eigener Sache, erstens: 8,5x63 und 8,5x63 R wurden von mir ohne jeden Namenszusatz in die CIP-Liste gehievt. Dass begeisterte Anwender von „8,5x63 Reb“ sprechen ehrt mich, war aber nie beabsichtigt - ich habe "Selbstbeweihräucherung" nicht nötig - und ein Namenszusatz ist in dem Fall gemäß CIP sogar falsch.



Proprietäre Hülse mit Bodenstempel "Reb 8,5x63". Der Namenszusatz bezieht sich nicht auf die Patronenbezeichnung (8,5x63 "Reb" wäre falsch, da nicht so CIP gelistet) sondern betrifft die beschußrechtlich geforderte Benennung des Vertreibers/Verwenders der Hülse.

Zweitens: Die 8,5x63 und 8,5x63 R sind nichts anderes als ausgewogene, daher vielseitig einsetzbare Mittelpatronen und somit weder für übermotivierte Magnumfreaks geeignet, noch als willkommener Grund für selbst ernannte Minimalisten gedacht, um gegen „jede weitere neue“ Patrone wettern zu können. Denn nach fast dreißig Jahren erfolgreicher Schießstand- und Jagderfahrung mit 8,5 bin ich inzwischen leid, mich mit notorischen Beckmessern und "Simplifizierungsfanatikern" über den Sinn einer „weiteren unnötigen“ Patrone auseinandersetzen zu müssen. Meine Reaktion darauf: „Wer sie nicht will, muss sie ja nicht nehmen“. Die Frage nach "Sinn oder Unsinn" neuer Patronen lässt sich nur mit einer Gegenfrage beantworten: Ohne das bekannte Beispiel aus der Gratwanderung zwischen dem Konsumterror der freien Marktwirtschaft und der menschenverachtenden Einseitigkeit der Planwirtschaft überstrapazieren zu wollen lautet diese Frage wie folgt: „Brauchen wir den Mercedes Lack Nr. 345 ‚jägergrün-metallic’ wirklich oder bescheiden wir uns mit ‚Trabant Einheitsgrau’“? Antwort: Den Lack 345 brauchen wir nicht wirklich, aber Einheitsgrau? – trotzdem nein danke!


Hohe Ansprüche an die Konstruktion 

Ich hatte den Anspruch an eine neue, für "gemischte" europäische Jagdverhältnisse und Auslandsjagden gedachte Patrone absichtlich sehr hoch gehängt, jedoch nirgends und nie an „Magnum“ gedacht: Vielmehr sollte eine nach Kaliber und Form leistungsfähige Mittelpatrone die nach Praktikermeinung klaffende Lücke schließen zwischen 7x65 R   und 8x57 IRS mit Geschossgewichten von 9 bis 13 g einerseits, sowie 9,3x74 R ab 17 g andererseits. Zudem sollte die Neue das Spektrum dieser Patronen abdecken, das heisst mittelschwere Geschosse verschießen und außerdem die für grobes Wild bewährte, aber "wenig rasante" 9,3x74 R übertreffen. Man bedenke bei dieser Rückschau, dass die vor einem ähnlichen Horizont gebaute .30 R Blaser erst viel später kam und man erinnere sich, dass zu der Zeit die alte, wenig vorteilhaft mit kurzem Hals und langer Pulversäule konstruierte 8x75 RS sich größter privater Geburtshilfe erfreute (trotzdem konnte sie sich wegen hoher Preise nur einen begrenzten Marktanteil schaffen). Selbst die .30 R Blaser hat inzwischen Federn lassen müssen und ist in weniger Ladungen auf dem Markt, als es einer designierten, universellen Standard- Randpatrone zustünde.

Doch zurück zur Idee: Ich konzentrierte mich zuerst auf eine "8x68 R", gab aber wegen der taktischen Nähe zur 8x75 RS bald auf (auch wegen der Schwierigkeiten durch den leidigen "H-Wulst" beim Umformen aus Hülse 6,5x68 R). Zudem rieten die meisten Büchsenmacher von dem, mit 15 mm übergroßen R1 Hülsendurchmesser ab.

Schon vorher eingehend auseinandergesetzt hatte ich mich mit den Grundsätzen des Praktikers und Feldballistikers Parker Otto Ackley, denn der Amerikaner favorisierte in den 1940ern eine mit 40° Steilschulter verbundene, optimal steile Hülsenverlaufsform. Auch hatte ich mich schieß- und wiederladetechnisch mit den eigenpräzisen PPC- sowie TCU Patronen beschäftigt.

Schließlich sah mein Pflichtenheft für die Hülse so aus:

  • waffentechnisch und preislich unaufwändige Standardhülse
  • mittleres Volumen und gängiger R1-Durchmesser
  • „steile“, nahezu zylindrische Hülsenverlaufsform
  • Schulterwinkel 80° (= 40° nach US-Messung)
  • Hülsenhals zur besseren Stabilität etwa „ein Kaliber lang“
  • Standard Druckbelastung etwa wie 7x65 R

Zu der begrenzten Druckbelastung hatten mir wegen der Verschlusssicherheit auch die Hersteller von Kipplaufwaffen geraten und ich sah wegen ein paar Metersekunden hin oder her keinen Grund, die künftigen Waffen unnötig zu belasten. Alles sollte "Standard" sein.  

Deshalb 8,5 mm

Ein flächengrößerer Anschub am Geschossboden senkt bei gleicher Geschossmasse den Druck oder erhöht die Vo und konserviert die Rasanz (zumindest bei gleichem BC - Ballistischer Koeffizient). Der logische Schritt (vom zuerst für eine Randpatrone ins Auge gefassten Kaliber 8 mm S) zum nächst „dickeren“, bei uns damals fast unbekannten Kaliber 8,5 mm (eigentlich 8,59 mm)/.338" ging einher mit der Überlegung, dass eine kurze dicke ("fette") Hülse effektiver ist - analog zu den erfolgreichen PPC- und  TCU- Benchrest Patronen.

Die für Steilschulter Umformungen ursprünglich ausgeguckte fette Hülse der .348 Winchester schien geeignet zu sein aber die Büchsenmacher machten nicht mit: Zu großer „Fuss“ (= zu dicke Laufwurzel), sowie (bei zu wenig Hülsenkonizität) befürchtete Probleme beim Ausziehen aus rauen Lagern (diese gleichen Bedenken führten übrigens später bei 6,5 x 65/R und .30 R Blaser zu deren - unnötig - konischer Hülsenform).
Damit war das Projekt „8,5/348“gestorben. Heute ärgert mich mein damals mangelndes Durchsetzungsvermögen ein wenig, denn die angedachte, letztlich nicht verwirklichte Neue wäre eine um Jahrzehnte vorgezogene, praktisch leistungsgleiche Randversion der "Superpatrone" .338 WSM von 2010 gewesen!

Ich zwang mich zurück zum Ausgang "Mittelpatrone" und probierte die 9,3 x 74 R, mit der Elmer Keith, Bob Hagel und andere bereits in den 1960ern gespielt hatten (.338/74 Keith, .33 Poachers Pet). Doch die taugte wegen des langen Halses und der Schwächung der künftigen Schulter nicht, erwies sich auch als unnötig lang und zu voluminös. So landete ich bei der Standardhülse 7x65 R, zumal diese genügend Verbrennungsvolumen besitzt. Wäre bereits die .30 R Blaser da gewesen, so hätte ich vielleicht die genommen, indes ausgeblasen mit 40° Schulter sowie kaliberlangem Hals und nicht mit dem kurzem H-Bereich, wie Patronenbastler sich später mit der „.338 Rand“ versuchten. Oder auch nicht denn bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ich die Notwendigkeit der Schaffung einer 8,5 ohne Rand nicht verneinen und eine im P1 Durchmesser der .30 R Blaser vergleichbare randlose und genügend lange Basishülse gibt es nicht.  

Das Ergebnis mit der umgeformten 7x65 R war besser als erwartet: bei mäßigem Druck hohe Energieausbeute und Eigenpräzision. Bereits die Feuerformladung mit einem auf Hülse 7x65 R aufgesetzten Geschoss schiesst besser oder zumindest so präzise wie viele fertig geladene Jagdpatronen.


Bildhintergrund: Seit Jahrzehnten sind die 8,5 Patronen im "Blauen Buch" (Dynamit Nobel "Wiederladen" - die Bibel des deutschsprachigen Wiederladers) beschrieben. Vorne von links: Hülse 7x65 R, daneben, eingerahmt von zwei auf 8,5/.338" aufgeweiteten Hülsen 13,9 g Sierra TMS BT für Feuerform-, Scheiben- und Jagdladungen, 2. v.re. 8,5x63 R mit sauber feuergeformter Schulter, rechts mit "zu wenig Dampf" geformte Hülse mit deshalb leicht runder Schulter. Feuerformladungen sollten zum sauberen Schulter-Ausblasen mit einer mindestens mittleren Ladung eines lebhaften Treibladungsmittel geladen werden. 


Die Industrie war begeistert - und wartete ab

Natürlich bot ich meine Neue auch der Industrie an, das erste  Vorschiessen bei Dynamit Nobel war denkwürdig: Mit einer normalen BBF Blaser ES 700 erzielte ich 5er Gruppen, die aus einem einzigen ausgefransten Loch bestanden. Begünstigt durch den von mir mit Bedacht gewählten mittellangen Übergang bei kurzer Dralllänge schoss das 17,8 g Speer TS am präzisesten. Im Durchmesser 8,5 mm sind mittellange bis lange Geschosse ab 16 g (konventionell) bzw. „bleifreie“ ab 14 g ideal und der Grund für meine Wahl des 254 mm Dralls. Leichtere Projektile hatten damals keine hohe Priorität mit der Überlegung, dass bis 14 g ich ohne Einbussen beim 8 mm S Kaliber hätte bleiben können. Heute erschließen sich leichte Geschosse der 8,5 eher, weil massestabile vor allem bleifreie Konstruktionen wegen der geringeren Dichte von Kupfer oder seiner viele Legierungen "länger bauen" als konventionell mit Bleikern und Mantel gepresste. Deswegen schießen selbst leichte Cu-Geschosse im - eigentlich für mittelschwere bis schwere Geschosse konstruierten Übergang - bei 254 mm Dralllänge ausreichend gut. Inzwischen zielt die Entwicklung  kaliberleichter ("nontoxic") Geschosse freilich in die Richtung größerer Dralllängen, was sich - auch aus anderen Gründen - in der optimierten Konfiguration 4 Züge, 1:12"/305 mm Drall niedergeschlagen hat. Doch wieder zurück:       

Nach ausgiebigen Versuchen und erfolgreichen Messungen von Präzision und Leistung wurde der Gasdruck festgelegt. Ich stattete alle deutschen Beschussämter, ballistische Labors sowie die DEVA mit Lothar Walther Messläufen aus und ließ präzise Ladungen auf Druck prüfen. Das Ergebnis begeisterte nicht nur mich, mit etwas Glück hätte die 8,5 x 63 R bereits zu dem Zeitpunkt kommerziell laufen können: Dynamit Nobel zeigte viel Interesse, wollte aber deren Einführung über die Wiederlader abwarten. Abnahmemengen waren und sind die Crux: Ohne Beschusspatronen und Werksmunition gab es keine Waffen und die Munitioner zierten sich, weil viele 8,5 Fans Wiederlader sind und allenfalls auf fertige Hülsen mit "richtigem" Bodenstempel und nicht auf Munition scharf sind.
Ein Hülsenauftrag scheiterte am Nein der kaufmännischen Abteilung und obwohl die Techniker von der Leistung der 8,5x63 R überzeugt waren. Hemmnis war auch das „fremde“ Kaliber 8,5/.338“, weswegen es unter RWS Regime eher zu einer „8x68 R“ gekommen wäre (wofür das Hülsenwerkzeug bereit gestanden hätte) als zu einer diskutierten 8,5x68/R.
Waffenseitig halfen mir Horst Blaser und Krieghoff. Als beim Beschuss in Suhl sich ein Heym Lauf "zerlegte" schob man die Schuld auf die Patrone (ein ziemlich empfindlicher Rückschlag für den bis dahin untadeligen Ruf der 8,5, obwohl ein Fehler des Laufmaterials festgestellt wurde). Der spätere Blaser Eigner sah meine 8,5 (wir reden immer noch von der Randversion) gleichzeitig als Vorbild, aber auch als zu starke Konkurrentin zu seiner 6 Jahre jüngeren .30 R Blaser. Inzwischen ist die Blaser GmbH, die 8,5x63 R betreffend, genau so kooperativ wie Krieghoff und Heym.

Sonderaktionen von 8,5-Läufen und Waffen trugen zur Verbreitung bei und führten letztlich zu ihrer „Standardisierung“, das heißt zur Aufnahme in die Kaliberpalette. Die genannten Hersteller bauen heute standardmäßig 8,5er Büchsen. 

„Gut Ding will Weile haben“ sollte es auch bis zur Einführung von gewerblich gefertigter Gebrauchs- und Beschussmunition heissen. Von Anfang an gab es sporadische Offerten für nicht wiederladende 8,5 Benützer und schon lange Jahre kann das Angebot an von gewerblichen Wiederladern gefertigter Munition als erstklassig bezeichnet werden. Sieht man sich in der Patronenhistorie um, so sind die Jahre seitdem gar keine so lange Zeit: Viele heute populäre Kaliber benötigten noch länger, um aus ihrem Wiederlader-Stadium herauszukommen.


Die randlose Patrone kam später

Wegen der guten Leistung der Randpatrone schob ich auf Drängen von alten und neuen Freunden die randlose Version nach. Da das teure Werkzeug rationell eingesetzt werden sollte und der Markt ein Patronen "Pärchen" haben wollte, kamen als Grundhülse für die randlose weder 7x64 noch .30-06 in Frage, weil beide beim Ausblasen der Schulter viel zu kurz sind. So nahm ich die von RWS in bester Qualität angebotene Hülse .280 Rem. Die ist lang genug, muss aber aufgeweitet sowie zur Erhaltung des Verschlussabstandes mit anstehendem Geschoss feuergeformt werden. Die Hülse der später wieder lieferbaren .35 Whelen geht noch besser: sie ist zwar kürzer, verliert aber beim Feuerformen wenig.


Die Hülse .35 Whelen bildet beim Einwürgen auf 8,59 mm/.338" eine stabile Hilfsschulter (unten), die der Sicherung des beim Feuerformen notwendigen Verschlussabstands dient, weshalb Geschosse nicht auf die Felder gesetzt werden müssen. Die Feuerformladung ist bereits auf Jagd und Scheibe verwendbar. Nach der Sprengverformung steht eine fertige Hülse zur Verfügung (man beachte die kürzere L3 der Umformung) Foto Reinhard Gerner



Wie die 8,5x63 R ist die 8,5 x 63 keine „Magnum“, sondern eine aus Standardhülsen derivierte Mittelpatrone, selbst wenn sie von passionierten Liebhabern nicht als solche, sondern wegen ihrer hervoragenden Leistung als "Wunderpatrone" verstanden wird.  



Eine Umformung aus Basishülsen ist heute weder für 8,5x63 R noch für 8,5x63 mehr notwendig da industriegefertigte langlebige Hülsen zu haben sind: links neue Hülse 8,5x63 Fabrikat Horneber mit bereits korrektem Verschlussabstand, rechts eine abgeschossene Hülse mit ausgeprägter Schulter. Horneberhülsen vertragen bis 15maliges Wiederladen. 


Die randlose 8,5 hat die guten Eigenschaften der R-Version, sie trifft aber trotz ihrer herausragenden Leistung - im Vergleich zu den hülsengrößeren, gasdruckintensiven Konkurrenten - auf eine kleinere Sortimentslücke als ihre Schwesterpatrone. Trotzdem läuft die 8,5x63 der 8,5x63 R zahlenmäßig den Rang ab, sicher wegen der geringeren Kosten einer für randlose Patronen eingerichteten Waffe im Vergleich zu Kipplaufwaffen.

1987 hievte ich beide Versionen mit anerkennenswerter Hilfe des Beschussamtes München in die C.I.P, seitdem können 8,5x63 und 8,5x63 R von jedermann nachgebaut werden. Nie wurde von mir eine kommerzielle Verwertung angestrebt. Und nie habe ich von irgendwem "abgekupfert", was die speziellen Maße meiner 8,5x63 (R) Patronen betrifft, weder von der .338-06 (siehe unten) noch von der .338-06 Ackley Improved: Diese und die 8,5x63 sind in keinem Fall vertauschbar, d.h. weder lassen sich Patronen 8,5 in Waffen AI laden noch umgekehrt (was die große Pionierleistung von Parker Otto Ackley keinesfalls schmälern soll, abgesehen davon dass er niemals eine .338-06 AI fertigte sondern diese von Patronenbastlern geschaffen und immer nur in Einzelanfertigungen gebaut wurde.

   

     

8,5x63 vs 338 06.pdf

links die im Vergleich zur 8,5x63 gasdruckstärkere, aber leistungsschwächere .338-06 A-Square, die erst zwei Jahrzehnte nach der 8,5x63 normalisiert wurde und als lediglich auf .338" aufgezogene .30-06 in Schulterposition und Schulterwinkel stark von der 8,5x63 (re.) abweicht. Wie beim bildlichen und maßlichen Vergleich leicht ersichtlich, entbehren die früher - meist unbedacht - geäußerten Plagiatsvorwürfe jeder sachlichen Grundlage.


Kleines zwangsläufiges Manko

Maximalladungen mit wenig dichten Treibladungspulvern gehen über Ladedichte 1 (LD>1) hinaus, vor allem in der randlosen Hülse, was wie bei anderen High Energy Ladungen eine Pressung erfordert oder zumindest zur Benutzung langer Trichter und zum Einrütteln der Ladung verpflichtet. Das ist ein technisches Problem auf kommerziellen Lademaschinen und zwingt zur Verwendung weniger dichter (und womöglich gasdruckintensiverer) Pulver. „LD >1“ ist ursächlich für das Gerücht, dass die 8,5x63/R „eine Menge Pulver“ verbrauche, was aber Unsinn ist. Denn vergleicht man den großen Konsum leistungsgleicher Magnum trifft das Gegenteil zu. Auch wurde behauptet, die 8,5 sei nicht präzise. Das ist freilich Quatsch und kommt von der Fehlinterpretation früherer Aussagen der Waffenhersteller, dass bei Verwendung von Wiederladungen keine Präzisionsgarantie gegeben werden könne. Es hing also nie mit irgendwelcher schlechter Schussleistung der 8,5x63/R per se zusammen sondern damit, dass es damals keine Werkspatronen gab und über die Qualität der verwendeten Handladungen nichts ausgesagt werden konnte oder wollte.

Selbst wenn Werkspatronen mit anderen Geschossen möglicher Weise nicht auf die z.B. im Blauen Buch, der Wiederladebibel von RWS angegebenen Leistungen kommen sollten sprechen die veröffentlichen Zahlen für sich und stellen der 8,5x63/R ein gutes Zeugnis aus: Mit ihr hat man „viele Patronen in einer“, trotz geringen Aufwands an Komponenten und Druck! Und wer diese Leistung nicht braucht, kann ja reduzierte Ladungen verwenden: So lässt sich ein Geschoss von 11 Gramm ohne Präzisionseinbussen von 950 m/s bis herunter zu 750 m/s und damit in den "schützengemütlichen" Leistungsbereich der 7x57R reduzieren. Bei einer volumigen Magnumpatrone geht das nicht oder ungleich schwerer. Reduzierte Ladungen haben bei Verwendung gleichen Pulvers und gleicher Geschossart oft praxistauglich-ähnliche Treffpunktlagen wie die schnellerer Gebrauchsladungen.    

Wer noch weiter mit Vergleichen spielen möchte: Hodgdon hat Daten für die .300 SAUM (Short Action Ultra Magnum) von Remington veröffentlicht, welche ja der .300 WSM Konkurrenz machen soll. Beide Hülsen sind nach Angaben ihrer Hersteller von „modernster“ Konstruktion weil mit steiler Schulter und Hülse ausgestattet. Diese Werbeaussage reizte einen Freund der 8,5x63 zu einem Vergleich, er schrieb mir:

"Nach Werksangaben liegen beide Short Magnum Patronen bei vergleichbarem Geschoss gleichauf (V0 902 bzw. 905 m/s bei 11,7 g). Nach Hodgdon allerdings liegt die .300 SAUM über brauchbare Geschossmassen hinweg (10,7 g bis 14,3 g) und trotz jeweils höheren Drucks zwischen 4 m/s und 20 m/s hinter der .300 WSM. Interessant jetzt ein Vergleich mit der 8,5x63. Jeweils mit 11,3 g Geschossen erreichen die Short Magnums (nach Hodgdon) im 610 mm Messlauf bei Drücken von >4.400 bar (Piezo) mit Sierra TMS eine V0 von 908 m/s bzw. 924 m/s. Dagegen beschleunigt die Standardpatrone 8,5 x 63 das im Gasdruck sensiblere Barnes VGX 11,3 g auf 940 m/s bis 965 m/s (bei maximaler Ladung - allerdings bei 650 mm Messlauflänge). Obwohl der .338er BC-Wert (0.392) unter den 0.411 des .30er Geschosses liegt, kann trotzdem von gleicher Rasanz und damit von einer Leistungsgleichheit der drei verglichenen Ladungen ausgegangen werden."

Soweit der zulässige Vergleich der 8,5 mit einer dezidiert als Magnum angepriesenen Neuerscheinung. Ich habe die 8,5 x 63 als Mittelpatrone konzipiert und sehe sie nicht als Hochleistungspatrone, obwohl sie von vielen Benützern so bezeichnet wird. Angesichts des von jedermann nachvollziehbaren Vergleichs frage ich mich aber langsam, ob ich mit der bescheidenen Bezeichnung „Mittelpatrone“ nicht doch Tiefstaplerei betreibe, wo doch die 8,5x63 seit Jahrzehnten alles kann, was hochgelobten Short Magnums können sollen - und noch mehr: Bei modernen .30er Short Magnum endet die maximale Geschoßmasse bei 14,3 g. Laut Hodgdon werden damit 800 m/s bzw. 820 m/s erreicht, die 8,5x63 schafft mit 14,6 g Geschoss aber mehr. Zudem wartet die 8,5x63 mit Massen bis 19,4 g auf, ein Plus für jeden, der „Schwergewichte“ zur Konfektionierung massereicher, aber moderat verladener, rückstossarmer Drückjagdladungen haben will. Doch genug des Zahlenspiels.
Ich wollte nur Kritikern welche die 8,5x63 in Frage stellen, mit ihren eigenen Argumenten Paroli bieten.


Die 8,5 mm Geschosspalette

Nochmals: 8,5x63 und 8,5x63 R sind Standardpatronen und keine Magnums, als die man sie ansieht, mit übersteigerten Erwartungen und gefährlich hohen Drücken, wenn geprüfte Ladeanweisungen unbedarft überschritten wurden. Wer eine Magnum haben will, soll sich eine .340 Weatherby, .338 RUM oder .338 Lapua kaufen. Wer jedoch bei Waffen und Nerven schonendem, moderatem Gasdruck eine mit Geschossmassen von 6,8-19,4 g enorm breite Geschosspalette mit großem Querschnitt, gutem BC und entsprechendem Tötungseffekt bei flacher Flugbahn will, der ist mit den konstruktionsbedingt eigenpräzisen 8,5x63 und 8,5x63 R besser beraten als mit .30 R Blaser, 8x64 S, 8x75 RS oder 9,3x62 und 9,3x74 R oder wie mit einer der kleineren Standardpatronen, vergleichbare Präzision immer vorausgesetzt. Mit der 8,5x63/R) macht es Spass, nach ein wenig laufabhängiger Bastelei mit diversen Ladungen und Pulversorten eine so breite Geschosspalette (6,8 g bis 19,4 g) zum Schießen zu bringen. Der 254 mm Drall präferiert zwar mittlere Geschosse, nimmt aber kurze Geschosse nicht krumm und ganz lange schon gar nicht. Aus einer Bockbüchse verwendete ich lange die Feuerformladung (13,9 g Sierra TM) plus 16,2 g Nosler Partition plus eine milde 19,4 g TMR Drückjagdpille. Die Feuerformladung schießt trotz noch nicht ausgeblasener Hülse so gut wie eine Jagdladung und kann sofort zur Jagd verwendet werden. Angesichts des heute gesicherten Angebots guter Hülsen mit "richtigem" Bodenstempel muss man sich die Hülsenumformerei nicht mehr unbedingt antun doch gibt es genügend 8,5-Freunde, die großes Vergnügen daran haben. Zumal gute Hülsen 7x65 R etwas preiswerter zu haben sind als gute 8,5x63 R Hülsen.

Genauso in der randlosen Version, die man am einfachsten aus preisgünstigen Hülsen .35 Whelen umformt. Diese hat den Vorteil, dass sie durch Kalibrieren in der normalen FL-Matrize mit einer Hilfsschulter versehen werden kann über die beim Feuerformen der Verschlussabstand gebildet wird und deshalb die Geschosse nicht auf die Felder gesetzt werden müssen. Manche Ladungen sind bei mir schon seit Jahrzehnten in Gebrauch: Ein 98er in 8,5x63 schießt 13,0 g TMS Hornady, 14,6 g Nosler Partition und Barnes TSX auf den gleichen 100 m Haltepunkt. Eine für sehr beschwerliche Jagden gedachte, deshalb ultraleichte Kippblockbüchse ist mit den jagdlich zusammenschießenden 10,4 g Barnes  TTX und 10,7 g Aero verladen. Gute Wahl für Doppelkugelbüchsen sind 16,2 g Geschosse von Woodleigh, Nosler, Degol usw. Die bleifreien leichteren Geschosse gefallen mir alle gut, wie das 11,8 g Jaguar, das 11,0 g HDB sowie die TSX, TTSX und selbst das (teure aber hoch spezialisierte) MRX von Barnes.




Das Barnes MRX ist ein wirkungsvolles Vollkupfergeschoß mit gefüllter Hohlspitze und schwerer, daher masseerhöhender, den Schwerpunkt positiv beeinflussenden Heckfüllung aus einer (KWKG legalen) Kunststoff-Wolframcarbid-Matrix. In 8,5 mm/.338" ist es in drei Geschossmassen - 12,0 g, 14,6 g, 16,2 g - vertreten und damit für schweres, wehrhaftes Wild besonders gut geeignet.   


Fertige Munitionen

Nicht erfüllte Verkaufsvorgaben liessen manche Laborierung selbst gängiger Kaliber aus dem Magnum- und selbst aus dem Standardbereich aus den Katalogen verschwinden, man vergleiche nur die Munitionsangebote von vor erst 30 Jahren mit den heutigen: Konnte man früher aus sechs, ja aus zehn oder zwölf Ladungen einer Fabrikpatrone wählen so sind es heute oft nur mehr magere zwei.   

Auch bei 8,5x63 und 8,5x63 R ist hohe Stückzahlerwartung (noch) der Grund für das bedauernde „leider noch nicht“ der großen Munitionshersteller. Was einerseits verständlich ist, rechnet man doch in der Industrie mit Hunderttausenden abgesetzter Hülsen und Patronen und das pro Jahr.   

Jedoch stehen dem nicht wiederladenden 8,5-Interessenten z.Zt. zahlreiche gewerbliche Wiederlader sowie mit Impala, Sax und LFB auch Munitions-Manufakturen zur Seite. Alle liefern gute Munitionen zu angepassten Preisen, auch Beschusspatronen.


Die 8,5x63 (R) ist nicht auf Hochwild oder gar Großwild beschränkt und keineswegs "zu stark" für kleineres Wild: Die Abb. zeigt den Ausschuss eines mit dem sehr präzisen LFB Jaguar-Geschoß erlegten Fuchses, dessen Balg sich als gut verwertbar erwies. 



Neben den zuverlässigen Produkten der Gewerblichen Wiederlader (Beispiel Bernhard Klaus) stehen den nicht-wiederladenden Jägern und Jägerinnen für Büchsen 8,5x63 und 8,5x63 R auch Werkspatronen von LFB (vier Laborierungen) und Impala zur Verfügung.

 

  

8,5 grundpräzise: Aus R93/50 cm SemiWeight Lauf/ZF Zeiss Duralyt 3-12x50 erzielter 5-Schuss Streukreis mit der 8,5x63 Werksladung von Sax-Munition (9,0 g KJG 1029 m/s).


Wiederladern sind bei der Laborierungswahl kaum Grenzen gesetzt. Beliebt sind 9–12 g Geschosse, jagdlich gerne auch "nontoxic". Zum Übungsschießen, werden preisgünstige TM-Geschosse verladen (auch reduziert, künftig wohl auch verkupferte Bleigeschosse). Ausgesprochene Hochwildlaborierungen sind bei 14,6-16,2 g angesiedelt und werden bei Bedarf ergänzt durch überschwere 17,8-19,4 g "Saujagd" Geschosse.


Ausblick

Starke Signale aus der Industrie lassen Spekulationsraum für ein noch breiteres Angebot an Waffen und Fabrikmunitionen vor allem in 8,5x63. Vielleicht sogar kurzfristig ist mit fertigen, guten 8,5-Patronen zu rechnen, wobei sicher auch moderne, "ganz unideologisch bleifreie" Geschosse im Massenbereich bis 13,6 g verladen werden sollen. 

         


Abgefeuerte Hülse 8,5x63 mit dem universellen und rückstoßtechnisch unauffälligen 10,4 g Barnes TTSX. Es ist präzise, arbeitet hervorragend bei geringer Wildbretentwertung und wird auch deshalb bei 8,5-Wiederladern immer beliebter. 



Die 8,5x63 (R) ist in der einschlägigen Industrie längst angekommen: Sonderedition eines Matrizensatzes von Triebel zum 25jährigen "Jubiläum" der Patrone im Jahre 2009.  



Immer wieder verblüffend ist die Fähigkeit der 8,5, gute Präzision mit unterschiedlichsten Geschossen - Materialien und Massen - hervorzubringen, und das ohne langwierige, teure Laborierungsversuche. Die 3er Streukreise stammen von einem, direkt von Quick Load übernommenen Ladevorschlag (sind also noch nicht einmal die Ergebnisse des späteren Feintunings dieser Ladungen) und wurden mit einer Blaser R93 und einer Mauser M03 erzielt. Selbst das kurz-kegelstumpfe, nur 6,8 g schwere Impala  Messinggeschoss fliegt präzise. Das 6,8 g Impala ist rechts unten und sein Trefferbild rechts oben zu sehen.